Ein Impuls für die Forschung – Caspar Olevian Ausstellung und virtuelles Caspar Olevian Portal eröffnet

7. April 2017

In der Stadtbibliothek Trier dreht sich ab sofort alles um einen Mann: Caspar Olevian. Die Ausstellung „Caspar Olevian, die Reformation und Trier“, die vom 7. April bis 4. Juli 2017 im Foyer der Stadtbibliothek zu sehen ist, gibt einen vielfältigen Einblick in das Leben und Wirken des 1536 in Trier geborenen Juristen, Theologen und Reformators. Zahlreiche Exponate sind zu sehen, darunter als besondere Rarität Originalbriefe Caspar Olevians und Martin Luthers, aber auch Portraitbilder des Theologen und seiner Zeitgenossen sowie weitere Schriften und Bücher aus der Zeit der Reformation. „Das Spannende an dieser Ausstellung ist die Vielfalt der Medien“, betonte dann auch Prof. Dr. Michael Embach, Leiter der Stadtbibliothek, der gemeinsam mit seinem Vorgänger, Prof. Dr. Gunther Franz, für die Umsetzung der Ausstellung verantwortlich zeichnet.

Denn begleitet und erweitert wird die analoge Ausstellung durch das virtuelle Caspar Olevian Portal, auf dem sich neben den Exponaten umfangreiche weitere Informationen zum Leben und Wirken des Trierer Reformators finden. „Jahreszahlen sollen an Plastizität gewinnen“, betonte Prof. Dr. Georg Müller-Fürstenberger, Vizepräsident der Universität Trier, anlässlich der Eröffnung des besonderen Projektes. Und plastisch wird es durchaus: So nimmt das Portal die Besucherinnen und Besucher unter anderem mit auf einen virtuellen Spaziergang in das Trier Olevians – vom Geburtshaus in der Grabenstraße über das alte Rathaus am Kornmarkt bis hin zur Kirche des Bürgerhospitals St. Jakob, eine der Predigtstätten Olevians – und lässt so den Trierer Reformator und seine Geschichte wieder lebendig werden. Der eigentliche Kern des Portals seien aber die vielen Originaldokumente, die nun frei zugänglich in digitalisierter Form vorlägen, so Müller-Fürstenberger weiter, und die in dieser Form noch nicht zusammengestellt worden seien. Das bekräftigte auch Prof. Dr. Andreas Mühling, Vorsitzender der Caspar-Olevian-Gesellschaft: „Wir erhoffen uns von diesem Portal einen wichtigen Impuls für die Forschung.“ Superintendent Dr. Jörg Weber vom Evangelischen Kirchenkreis nannte das Projekt ein „kongeniales Zusammenspiel“ von gegenständlicher und virtueller Ausstellung. „Was die Digitalisierung von reformatorischen Schriften betrifft, sind wir damit, was Olevian anbelangt, an der Spitze der Bewegung“, so Weber. Konzipiert und umgesetzt wurde das Caspar Olevian Portal vom Trier Center for Digital Humanities (TCDH) gemeinsam mit Studierenden des Masterstudiengangs Digital Humanities. Es ist ab sofort unter www.caspar-olevian-portal.de erreichbar – und bleibt auch über den 4. Juli hinaus für Forschung und Öffentlichkeit dauerhaft und kostenlos verfügbar. „Das Portal ist – und das ist zugleich Besonderheit und Herausforderung – als modulares, lebendiges, auf kontinuierliches Wachstum angelegtes virtuelles Museum und Archiv, in dem die Besucher sich stetig neue Wege bahnen und neue Exponate und Informationen finden können", betonte Dr. Vera Hildenbrandt vom TCDH.  

Aus der Geschichte der Reformation lernen

In seinem Festvortrag zur Ausstellung erläuterte Staatsminister a.D. Prof. Dr. Gerhard Robbers die Bedeutung Olevians. Der Trierer Reformator sei viel herumgekommen – Trier, Paris, Genf, Zürich, um nur einige Stationen des bewegten Lebens Olevians zu nennen. „Das weist auf etwas, worüber wir heute streiten – es ist ein europäisches Leben, eine europäische Kultur, und zeigt Fundamente, auf die wir heute wieder zurückgreifen können“, so Robbers. Die heutige Zeit sei, so Robbers weiter, ebenso wie die Zeit der Reformation, „aus religiösen Gründen“ herausfordernd. „Und wir sollten die Lektion gelernt haben, dass wir diese Herausforderungen nicht mit Gewalt überwinden können“, so der ehemalige Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. „Wie können wir erreichen, dass unser Land ein Land der Toleranz bleibt?“, brachte Robbers es auf den Punkt – und versicherte: Aus der Geschichte der Reformation, die immer auch eine Geschichte der Religionsfreiheit gewesen sei, ließe sich lernen – „für heute – und für die Zukunft.“

Die Ausstellung: Caspar Olevian, die Reformation und Trier
Die Ausstellung „Caspar Olevian, die Reformation und Trier“ ist eine Kooperation von Stadtbibliothek Trier, Universität Trier, Trier Center for Digital Humanities (TCDH) an der Universität Trier, Wissenschaftsallianz Trier e.V., Caspar-Olevian-Gesellschaft e.V. sowie Evangelischem Kirchenkreis Trier. Die Ausstellung im Foyer der Stadtbibliothek ist Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und Samstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Der aufwendig gestalteten Katalog zur Ausstellung „Caspar Olevian, die Reformation und Trier – Katalog zur Ausstellung in der Stadtbibliothek Trier zum 500. Reformationsjubiläum 2017 und zur virtuellen Ausstellung im Rahmen des Caspar-Olevian-Portals“, herausgegeben vom Evangelischen Kirchenkreis Trier, mit Beiträgen von Gunther Franz, Vera Hildenbrandt und Andreas Mühling, ist ab sofort über den Buchhandel zu beziehen und kostet 19,90 Euro.

Prof. Dr. Andreas Mühling, Prof. Dr. Michael Embach, Staatsminister a.D. Prof. Dr. Gerhard Robbers, Prof. Dr. Gunther Franz, Prof. Dr. Georg Müller-Fürstenberger, Dr. Vera Hildenbrandt und Dr. Jörg Weber (v.l.), Bild: EKKT

Startseite Caspar Olevian Portal, Bild: TCDH

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